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Welche Erkenntnisse liefert die NEPS-Studie?

Auch bei naturwissenschaftlichen Kompetenzen: Auf den Wortschatz kommt es an!

10.10.2019

Der Zusammenhang zwischen Wortschatz und naturwissenschaftlicher Kompetenz erschließt sich nicht sofort. Mit den Daten der NEPS-Studie konnte jedoch die besondere Rolle der sprachlichen Fähigkeiten für den späteren Schulerfolg auch in den Naturwissenschaften gezeigt werden.

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Viertklässlerinnen und Viertklässler mit Migrationshintergrund schneiden laut der internationalen Untersuchung TIMSS in naturwissenschaftlichen Fächern oft schlechter ab als ihre Mitschülerinnen und Mitschüler ohne Migrationshintergrund. Aber wann entstehen diese Unterschiede? Und warum? Diese Fragen beantworten Dr. Inga Hahn und Dr. Katrin Schöps (beide Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik) mit Daten von knapp 3.000 Kindern zwischen vier und sechs Jahren aus der NEPS-Studie „Frühe Bildung und Schule“.

Die Wissenschaftlerinnen benutzten für ihre Arbeit sowohl Daten zum sogenannten rezeptiven Wortschatz, also zur Menge an Wörtern, die die Kinder erkennen, als auch Daten zur naturwissenschaftlichen Kompetenz. Zusätzlich werteten die Autorinnen weitere Merkmale aus: beispielsweise die Dauer des bisherigen Kita-Besuchs, den Bildungsabschluss der Eltern, die Anzahl der Bücher im Haushalt, die Familiensprache und den Migrationshintergrund. Bei letzterem geht es um die Frage, ob die Kinder, ihre Eltern oder deren Eltern nach Deutschland zugewandert sind. Die Gruppenvergleiche zeigten, dass Kinder mit Migrationshintergrund bereits im Alter von vier bis sechs Jahren deutlich schlechter bei den Naturwissenschaftsaufgaben abschnitten als Kinder ohne Migrationshintergrund. Sie kannten auch deutlich weniger Wörter.

Die Autorinnen konnten belegen, dass vor Berücksichtigung der sprachlichen Fähigkeiten in den Analysen zunächst alle untersuchten Merkmale einen sichtbaren Einfluss auf die naturwissenschaftlichen Kompetenzen haben. Fügt man allerdings die sprachlichen Fähigkeiten hinzu, zeigt sich, wie wichtig der Wortschatz der Kinder ist, und der Einfluss der anderen Merkmale verringert sich stark oder verschwindet vollständig. Die Größe des Wortschatzes wirkt sich bei allen Kindern auf die naturwissenschaftlichen Fähigkeiten aus, unabhängig davon, ob sie einen Migrationshintergrund haben oder nicht.

Die Ergebnisse der Untersuchung stützen damit die Aussage, dass Sprachförderung für die Bildungsgerechtigkeit wichtig ist und bereits in Kitas einsetzen sollte, damit Sprachprobleme den weiteren Bildungserfolg nicht auch in Fächern gefährden, die auf den ersten Blick nichts mit Sprache zu tun haben.

Originalliteratur

Hahn, I., & Schöps, K. (2019). Bildungsunterschiede von Anfang an? Die Bedeutung von Struktur- und Prozessmerkmalen für die naturwissenschaftliche Kompetenz von Vorschulkindern mit und ohne Migrationshintergrund. Frühe Bildung, 8(1), 3–12. doi:10.1026/2191-9186/a000405