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Welche Erkenntnisse liefert die NEPS-Studie?

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16.01.2019

Wie positiv Eltern, aber auch Erzieherinnen und Erzieher das konstruktive, hilfreiche Verhalten von Kindergartenkindern beurteilen, steht in engem Zusammenhang mit den sprachlichen Kompetenzen der Jungen und Mädchen: Kinder, die besser sprechen können, werden oft auch als fähiger eingeschätzt, andere zu verstehen und ihnen zu helfen. Das Sprachvermögen der Kinder erweist sich somit als entscheidend für die Wahrnehmung sozialer Kompetenzen.

© iStock.com / fizkes  

Wie positiv Eltern, aber auch Erzieherinnen und Erzieher das konstruktive, hilfreiche Verhalten von Kindergartenkindern beurteilen, steht in engem Zusammenhang mit den sprachlichen Kompetenzen der Jungen und Mädchen: Kinder, die besser sprechen können, werden oft auch als fähiger eingeschätzt, andere zu verstehen und ihnen zu helfen. Das Sprachvermögen der Kinder erweist sich somit als entscheidend für die Wahrnehmung sozialer Kompetenzen.

Eine Schlüsselkompetenz für die Entwicklung von Kindern ist prosoziales Verhalten, also das Vermögen, andere zu verstehen und ihnen Hilfe anzubieten. Um das objektiv zu messen, ist ein erheblicher Aufwand nötig: Die Forschung erfasst das Verhalten oft, indem Beobachtungen aus mehreren Perspektiven gesammelt werden. Doch Einschätzungen unterschiedlicher Personen stimmen aus verschiedenen Gründen häufig nicht überein. Die Bamberger Forscherinnen und Forscher Carina Schönmoser, Dr. Monja Schmitt, Dr. Christian Lorenz und Dr. Ilona Relikowski untersuchten deshalb, welche systematischen Beziehungen zwischen den Einschätzungen durch verschiedene Gruppen – konkret zwischen denen der Eltern und der Erzieherinnen und Erzieher – bestehen.

„Prosoziales Verhalten entwickelt sich größtenteils zwischen dem dritten und fünften Lebensjahr“, erklärt die Soziologin Schönmoser. Es kann in verschiedenen Kontexten unterschiedlich ausgeprägt und für die jeweiligen Betrachter unterschiedlich gut wahrnehmbar sein. In der Familie spiele beispielsweise nonverbales Verhalten eine wichtigere Rolle als im Kindergarten. Sprachdefizite können im Familienkontext durch nonverbales Verhalten besser ausgeglichen werden, womit die sprachlichen Kompetenzen dort eine geringere Rolle bei der Einschätzung von prosozialem Verhalten spielen, so die Erwartung des Forschungsteams.

Für ihre Untersuchung nutzten Schönmoser, Schmitt, Lorenz und Relikowski die Daten der NEPS-Studie „Frühe Bildung und Schule“. Die Daten umfassen Angaben aus Sprachkompetenzaufgaben, die in den Kindergärten von durchschnittlich fünf Jahre alten Kindern bearbeitet wurden. Außerdem wurden Antworten aus telefonischen Interviews mit einem Elternteil sowie Einschätzungen der Erzieherinnen und Erzieher zu den Kindern in die Analyse einbezogen. Auch das Alter und Geschlecht der Kinder sowie ihre soziale Herkunft wurden berücksichtigt.

„Wir konnten frühere Befunde über Unterschiede zwischen den Einschätzungen des prosozialen Verhaltens der Kinder durch ihre Eltern sowie durch die Erzieherinnen und Erzieher bestätigen“, so Schönmoser. „Die Eltern schätzten das prosoziale Verhalten ihrer Kinder durchgehend positiver ein.“ Auch konnte bestätigt werden, dass das prosoziale Verhalten von Mädchen durchgehend als ausgeprägter wahrgenommen wird als das von Jungen. Außerdem fanden die Bamberger Forscherinnen und Forscher folgendes heraus: Je besser das Kind sprechen kann, desto näher sind sich die Einschätzungen der Erzieherinnen und Erzieher und der Eltern. Das Sprachvermögen der Kinder spielt also eine große Rolle dabei, ob und wie ihr prosoziales Verhalten durch die Erzieherinnen und Erzieher wahrgenommen wird.

Originalliteratur

Schönmoser, C., Schmitt, M., Lorenz, C., & Relikowski, I. (2018). Prosoziales Verhalten von Kindergartenkindern: Ein Vergleich der Eltern- und Erzieherperspektive. Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, 21(2), 317–337. doi:10.1007/s11618-017-0783-x