Aufbau und Inhalt

NEPS-Studie „Frühe Bildung und Schule“

Die NEPS-Studie ermöglicht es zum ersten Mal, Bildung in Deutschland über die gesamte Lebensspanne hinweg zu betrachten. Zu diesem Zweck werden dieselben Personen mehrmals an verschiedenen Stationen ihres Bildungsweges befragt (ein sogenannter Längsschnitt oder „Panel“), so dass sich die einzelnen Momentaufnahmen schließlich zu einer zusammenhängenden Bilderfolge fügen und man Veränderungen über die Zeit beobachten kann.


Zielgruppe Zu Beginn der NEPS-Studie „Frühe Bildung und Schule“ im Kindergarten standen ca. 3.000 Kinder aus etwa 250 Kindertageseinrichtungen im Mittelpunkt, die zwei Jahre später schulpflichtig wurden. Diese Kinder besuchten wir während ihrer Kindergartenzeit zwei Mal in ihren Einrichtungen und begleiteten sie bei ihrem Übergang in die Grundschule. Alle diese Kinder sind auf Grundschulen übergewechselt, wo wir einen Großteil von ihnen sowie viele ihrer neuen Klassenkameradinnen und -kameraden jährlich besuchten. Durch die neu hinzugekommenen Kinder hat sich unsere Stichprobe auf etwa 8.000 Schülerinnen und Schüler aus ganz Deutschland vergrößert. Mittlerweile sind die meisten dieser Schülerinnen und Schüler auf Schulen der Sekundarstufe I gewechselt und werden individuell von uns begleitet.

Um ein möglichst umfassendes Bild von den Entwicklungsbedingungen der Kinder zu erhalten, werden im Rahmen der NEPS-Studie einmal jährlich verschiedene Aspekte erfasst, die wir im Folgenden beschreiben.


Kompetenzerhebungen und Befragungen bei Kindern
Die verschiedenen Fähigkeiten und Fertigkeiten der Kinder stehen besonders im Fokus unserer Untersuchungen. Da das Verstehen von Sprache entscheidend für das Hineinwachsen in die menschliche Kultur und für die gesellschaftliche Teilhabe ist, stellt die Erhebung von Sprachkompetenzen, insbesondere der deutschen Sprache, einen wesentlichen Teil der NEPS-Studien dar. Dazu zählen z. B. das Verständnis für grammatische Strukturen und der passive Wortschatz der Kinder. Des Weiteren betrachten wir mathematische und naturwissenschaftliche Kompetenzen, welche für ein aktives Leben in unserer modernen Wissensgesellschaft unverzichtbar sind. Ob Größenverhältnisse oder räumliches Vorstellungsvermögen – Mathematik ist ein Teil des Alltags. Das Gleiche gilt für die Naturwissenschaften, denn sowohl elementare Dinge wie die Eigenschaften von Stoffen als auch Vorgänge in der Natur wie die Beziehungen von Lebewesen zueinander oder die Vererbung von Merkmalen lassen sich ohne naturwissenschaftliche Kompetenz nicht verstehen. Zudem wird als bereichsübergreifende Fähigkeit der Kinder deren Metakompetenz untersucht. Metakompetenzen beziehen sich unter anderem auf die Fähigkeiten, selbstgesteuert zu lernen, Informationen zu suchen oder sich mit anderen Menschen auseinanderzusetzen. Besonders in diesen jungen Jahren ist es wichtig, die Fähigkeiten der Kinder auf spielerische Weise zu erfassen, ohne bei den Kindern Leistungsdruck zu erzeugen. Im Kindergarten wurden die Untersuchungen deshalb durch speziell geschulte und erfahrene Mitarbeiterinnen (siehe „Wer führt die Studie durch?“) und jeweils nur mit einzelnen Kindern durchgeführt. Die Handpuppe Jona war ein weiteres Element der spielerisch gestalteten Erhebungssituation und bereitete den Kindern sehr viel Freude. In der Grundschule sind Einzelbefragungen zwar nicht möglich, durch kleine Gruppengrößen wurden die Erhebungen dennoch möglichst familiär gestaltet. Nach jeder Erhebung erhielten alle teilnehmenden Schülerinnen und Schüler als Dankeschön eine kleine Überraschung, ebenso das beteiligte Personal in den Institutionen.

In der Sekundarstufe I werden die Schülerinnen und Schüler individuell begleitet und können zuhause an den Befragungen teilnehmen. Dazu erhalten sie wie in der Grundschule einen papierbasierten Fragebogen. Alternativ gibt es die Möglichkeit, diesen Fragebogen online abzurufen und am Computer auszufüllen. Des Weiteren besuchen wir die Schülerinnen und Schüler in ihrem Haushalt. Dort bearbeiten sie verschiedene Aufgaben. Diese Erhebung wird von unseren speziell geschulten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern begleitet. Auch in der Sekundarstufe I erhalten die Schülerinnen und Schüler ein Geschenk für die Teilnahme an den Erhebungen und bekommen zusätzlich die Möglichkeit, an Verlosungen von Preisen teilzunehmen.

Eltern, Erzieher und Lehrkräfte erhalten und erhielten übrigens zu keiner Zeit Einblick in die Ergebnisse der Kinder, um keinen unnötigen Druck aufzubauen.


Telefonische Elterninterviews
Weitere Informationen zu den Kindern erfragen wir in Telefoninterviews mit den Eltern. So erfahren wir wichtige Merkmale der Familie, die einen Einfluss auf die Entwicklung der Kinder haben können. Eltern, die mit ihrem Kind an der NEPS-Studie teilnehmen, werden aktuell – nachdem ihr Kind an eine Schule der Sekundarschule I  wechselte – alle zwei Jahre von einer Interviewerin oder einem Interviewer telefonisch kontaktiert. In der Vorschulphase und Grundschulzeit ihres Kindes wurden die Eltern jährlich befragt. Neben allgemeinen Fragen zu Kindergarten und Schule interessiert uns auch, wie sich das Kind aus Sicht der Eltern in seiner Lernumgebung zurechtfindet. Ein wichtiges Thema ist auch die Einschulung und die damit verbundenen Entscheidungen. In der Grundschulphase wollten wir beispielsweise erfahren, wie zufrieden die Eltern mit der schulischen Situation ihrer Kinder im Allgemeinen sind. Vor dem Übergang an eine weiterführende Schule interessierten wir uns dafür, welche Schulform die Eltern für ihre Kinder bevorzugen. Nach dem Übergang möchten wir wissen, wie die Eltern die Schulform ihrer Kinder einschätzen. Auch die Betreuung des Kindes außerhalb der Schulzeit stellt ein Themengebiet dar. Weitere Fragen befassen sich mit der Gesundheit des Kindes oder mit den Aktivitäten, die Eltern und Kind gemeinsam unternehmen.


Schriftliche Befragungen von pädagogischem Personal, Lehrkräften und Einrichtungsleitungen
Um ein möglichst umfassendes Bild von den Lernumgebungen der Kinder zu erhalten und deren Auswirkungen auf das Lernen der Kinder untersuchen zu können, befragten wir bis zum Übergang der Kinder auf eine Schule der Sekundarstufe I auch die Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer sowie die Leiterinnen und Leiter der Einrichtungen, die die Kinder besucht haben. So stellten wir beispielsweise den Klassenlehrkräften in der Grundschule allgemeine Fragen zur Klasse, zum Unterricht und Lernen, aber auch Fragen zur beruflichen Fortbildung und zur eigenen Person. Nach dem Wechsel auf eine weiterführende Schule begleiten wir die Eltern und ihre Kinder nur noch individuell. Aus erhebungstechnischen Gründen kann eine wissenschaftliche Begleitung der Schulleitungen und Klassenlehrkräfte der Kinder an den weiterführenden Schulen nicht weiter umgesetzt werden.