Arbeitslos und schnell zurück in den Job? Das gelingt besser in männerdominierten Berufen

24.10.2017
 

Männern, die in Berufen mit hohem Männeranteil arbeiten, fällt es offenbar leichter, nach einer Phase der Arbeitslosigkeit eine neue Anstellung zu finden. Bei Frauen ist der zuletzt ausgeübte Beruf hingegen weniger ausschlaggebend beim Wiedereinstieg. Stattdessen kommt der familiären Situation eine zentrale Bedeutung zu: So haben Mütter von kleinen Kindern (unter vier Jahren) Schwierigkeiten beim Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt. Das haben Wissenschaftlerinnen in einer Studie herausgefunden, die untersucht, wie der Beruf und andere Faktoren die Dauer der Arbeitslosigkeit beeinflussen.

 
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Weil Menschen heute häufiger z. B. aus eigenem Karriereantrieb den Arbeitsplatz wechseln als früher oder wegen einer Befristung eine neue Anstellung suchen müssen, nehmen auch kurze Abschnitte der Arbeitslosigkeit in den Lebensverläufen zu. Wie lange diese Arbeitslosigkeit andauert und wie gut die Chancen bei der Jobsuche sind, unterscheidet sich auf individueller Ebene je nach Bildungsabschluss, Berufserfahrung, Alter und Geschlecht – das haben ältere Studien gezeigt. Anna Erika Hägglund (Institut für Soziologie an der Leibniz Universität Hannover) und Ann-Christin Bächmann (Leibniz-Institut für Bildungsverläufe) haben jetzt untersucht, welchen Einfluss der zuletzt ausgeübte Beruf auf die unterschiedlichen Erfolgschancen von Männern und Frauen beim Wiedereinstieg hat – und ob das Geschlechterverhältnis in den Berufen womöglich entscheidend ist.

Die Studie basiert auf Angaben von 3.009 Erwachsenen im Rahmen des NEPS-Erwachsenenstudie, die zwischen 1993 und 2010 arbeitslos wurden und vorher länger als sechs Monate beschäftigt waren. Die Wissenschaftlerinnen analysierten den Verlauf der Arbeitslosigkeit über einen Zeitraum von maximal 60 Monaten und untersuchten, wer anschließend einer Tätigkeit mit mindestens 15 Wochenstunden nachgegangen ist. Den Daten aus der NEPS-Studie wurden Informationen zu verschiedenen Berufen aus der Erhebung der Integrierten Arbeitsmarktbiografien (SIAB) und dem Deutschen Mikrozensus dazu gespielt.


Beruf hat Einfluss auf Dauer der Arbeitslosigkeit – aber nur bei Männern

Die Ergebnisse zeigten, dass der zuletzt ausgeübte Beruf tatsächlich die Dauer der Arbeitslosigkeit beeinflusst: Demnach schafften es Männer, die in männerdominierten Berufen arbeiteten, eher wieder einen Job zu finden. Selbst wenn die Arbeitslosenquote im Beruf in den Berechnungen berücksichtigt wurde, reduzierte das den Effekt der Geschlechterkomposition nur mäßig. Womöglich, so die Wissenschaftlerinnen, begünstigen unter anderem typische Merkmale von sogenannten „Männerberufen“ einen schnellen Wiedereinstieg, z. B. dass das Anforderungsprofil häufig standardisierter ist und somit passende Bewerber schneller gefunden werden können.


Berufliche Merkmale sind bei Jobchancen von Frauen weniger ausschlaggebend

Bei Frauen ist der zuletzt ausgeübte Beruf hingegen weniger ausschlaggebend beim Wieder- einstieg. Vielmehr spielen andere Faktoren eine Rolle: So erschweren junge Kinder einen Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt. Außerdem sind sie häufiger als Männer von Arbeitsmarkt- schwankungen in ihrem Umfeld betroffen, während für Männer eher die berufsspezifische Arbeitslosenquote von Bedeutung ist. Vermutlich weil Männer den Suchradius weiter ziehen als Frauen, so erklären die Wissenschaftlerinnen dieses Phänomen.


Gründe genauer beleuchten

Warum der Wiedereinstieg in männerdominierte Berufe erfolgreicher verläuft, konnte die Studie nicht abschließend klären. Die Wissenschaftlerinnen vermuten verschiedene Gründe: So könnte es sein, dass Beschäftigte in Berufen mit hohem Männeranteil schlichtweg häufiger wechseln oder dass „Männerberufe“ vielfältigere Karrierewege ermöglichen und damit ein breiteres Stellen- spektrum eröffnen. Dies sollten zukünftige Studien genauer beleuchten, so die Empfehlung der Wissenschaftlerinnen.

 

Originalliteratur
Hägglund, A. E. & Bächmann, A.-C. (2017). Fast lane or down the drain? Does the occupation held prior to unemployment shape the transition back to work? Research in Social Stratification and Mobility, 49, 32–46.

Zitierhinweis
Leibniz-Institut für Bildungsverläufe e.V. (2017, Oktober): Arbeitslos und schnell zurück in den Job? Das gelingt besser in männerdominierten Berufen (NEPS Ergebnisse). Bamberg, Deutschland.