Ergebnisse

Welche Erkenntnisse liefert die NEPS-Studie?

Wer gerne liest, liest viel und vor allem auch gut, und wer gut liest, liest gerne und gerne auch viel

12.03.2019

Mit Daten der NEPS-Studie, in diesem Fall von Schülerinnen und Schülern der Studie „Schule, Ausbildung und Beruf“, konnten Forscherinnen und Forscher der Otto-Friedrich-Universität Bamberg den Zusammenhang zwischen Lesefähigkeiten und Lesehäufigkeit zu Beginn der Sekundarstufe im Bildungserwerb bis zur siebten Klasse beleuchten.

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Untersuchung der intrinsischen Motivation und Kompetenz bei Schülerinnen und Schülern

Die intrinsische, also aus eigenem Antrieb gespeiste, Lesemotivation wirkt sich positiv auf die Lesekompetenz von Schülerinnen und Schülern aus. Dies ist ein vielfach bestätigter Forschungsbefund. Der Zusammenhang lässt sich aber nicht durchgehend nachweisen: Insbesondere bei Kindern mit Migrationshintergrund scheint sich die intrinsische Lesemotivation nicht oder in deutlich geringerem Maß auf die dazugehörige Kompetenzentwicklung auszuwirken.

Zur Klärung dieses Sachverhalts unterziehen Miyamoto, Pfost und Artelt den Zusammenhang zwischen Motivation und Kompetenzentwicklung einer grundlegenden Analyse. Für diesen sind drei Erklärungsmodelle denkbar: Die Motivation führt zu vermehrtem Lesen und damit zur Kompetenzsteigerung (self-enhancement-Modell), die Motivation steigt mit der Kompetenz (skill-development-Modell) oder es kommt zu einer wechselseitigen Beeinflussung (reciprocal effect-Modell). In der Forschung wurde bislang keines der drei Modelle völlig bestätigt. Miyamoto, Pfost und Artelt gehen davon aus, dass durch eine systematische Berücksichtigung des Leseumfangs die Erklärung des Zusammenhangs verbessert werden kann. Damit rückt das Lesen in den Fokus der Aufmerksamkeit. Zudem differenzieren sie zwischen Schülerinnen und Schülern von Gymnasien und anderen Schultypen.

Kein Zusammenhang zwischen Lesemotivation und -kompetenz bei Kindern mit Migrationshintergrund

Für die Analyse nutzten die Autoren Daten der NEPS-Studie „Schule, Ausbildung und Beruf“, in der die benötigten Daten, insbesondere auch Ergebnisse von Lesekompetenzaufgaben, verfügbar sind. Im Zentrum stand der Vergleich zwischen Schülerinnen und Schülern mit und ohne Migrationshintergrund über zwei Jahre hinweg (von der fünften bis zur siebten Klasse).

Die Ergebnisse bestätigen das Modell des wechselseitigen Zusammenhangs für deutsche Schülerinnen und Schüler: Die intrinsische Lesemotivation zeigt einen positiven Zusammenhang mit der Lesekompetenz und die Lesekompetenz zeigt einen positiven Zusammenhang mit der intrinsischen Motivation. Bestätigt wurde für diese Untersuchungsgruppe auch eine vermittelnde Rolle des Leseumfanges für diese Zusammenhänge: Die intrinsische Motivation beeinflusst den Leseumfang und dieser wiederum die Kompetenzentwicklung. Wer gerne liest, liest demnach viel und vor allem auch gut, und wer gut liest, liest gerne und gerne auch viel. Für Kinder mit Migrationshintergrund bestätigt sich dieser Zusammenhang nicht. Unabhängig von der Schulform zeigt sich kein reziproker Zusammenhang zwischen intrinsischer Motivation und Kompetenz.

Originalliteratur

Miyamoto, A., Pfost, M., & Artelt, C. (2018). Reciprocal relations between intrinsic reading motivation and reading competence: A comparison between native and immigrant students in Germany. Journal of Research in Reading, 41(1), 176–196. doi:10.1111/1467-9817.12113

Zitierhinweis

Leibniz-Institut für Bildungsverläufe (2018, Dezember): Wer gerne liest, liest viel und vor allem auch gut, und wer gut liest, liest gerne und gerne auch viel (NEPS Ergebnisse). Bamberg, Deutschland.